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2.2 Aufmerksamkeit

AufmerksamkeitWas ist eigentlich Aufmerksamkeit? Bleuler definierte Aufmerksamkeit als eine „Zuweisung von (beschränkten) Bewusstseinsressourcen auf Bewusstseinsinhalte, beispielsweise auf Wahrnehmungen der Umwelt oder des eigenen Verhaltens und Handelns sowie Gedanken und Gefühle“. Die Konzentration stellt dabei das Maß dar, wie dauerhaft und wie intensiv jemand einer Sache, z. B. einem Spiel, einem Film, einer Tätigkeit, einem Buch oder einer anderen Person (Lehrer, Eltern, Partner) zuwenden kann.

Allgemein ist bekannt, dass die Aufmerksamkeit vom Alter abhängt. Interessanterweise fällt es aber Kindern leichter als erwartet, eine bestimmte Zeit aufmerksam sich mit etwas zu beschäftigen. Wenn allerdings diese Fähigkeit nicht gut ausgeprägt ist, dann spricht man vom Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Dieses wird frühzeitig erkannt, weil das Kind z. B. nicht allein spielt oder sich nicht lange auf eine bestimmte Sache, z. B. ein Spiel mit Legosteinen oder ein Brettspiel, konzentrieren kann.

Allerdings hält die Konzentration bei Kindern maximal 15 Minuten dauerhaft an. Nur, wenn ein Kind diese Zeit unterschreitet, sollten sich Eltern Gedanken machen. Für Kinder mit einer Konzentrationsschwäche ist eine ruhige Umgebung wichtig. Ungestört können sie am leichtesten lernen.

Erwachsene können aber auch nicht viel länger aufmerksam sein. Wir beobachten das bei Gesprächen oder Telefonaten. Wer kann schon nach mehr als 20 Minuten genau zuhören und dem Gegenüber ein entsprechendes Feedback geben? Wenn das Gespräch oder Telefonat länger als 20 Minuten dauert, schalten wir ab – die meisten schon wesentlich früher.

Was nimmt Einfluss auf unsere Aufmerksamkeit?

Ob jemand aufmerksam ist oder nicht, liegt zuerst in seiner Persönlichkeit. Denn es gibt Menschen, die sich leichter ablenken lassen als andere. Wie gut sich jemand auf eine bestimmte Sache, z. B. ein Buch, eine Fernsehsendung oder auch ein Gespräch konzentrieren kann, hängt von vielen Faktoren ab. Das sind bewusste und unterbewusste Gegebenheiten. Bewusst nehmen wir eine Störung von außen wahr, z. B. ein Telefonklingeln oder Ansprache durch andere Personen.

Unbewusste Störmomente sind beispielsweise, wie warm der Raum ist (bei Wärme wird man schnell schläfrig), ob die Lehrerin langweilige oder schöne Kleidung trägt, ob uns vorn links jemand gefällt oder missfällt, ob die Raumluft okay ist (stickige Luft bzw. Gestank wirken störend). All dies spielt in unsere Aufmerksamkeit, unser Konzentrationsvermögen und in die Ablenkungsbereitschaft hinein. Je nachdem, wie leicht oder schwer wir uns ablenken lassen, kommt es zum Aufmerksamkeitsverlust.

Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeits-Defizit-Störung

Kinder und Erwachsene mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung – ADS mit und ohne Hyperaktivität – können laut wissenschaftlichen Erkenntnissen Reize, die auf sie einstürzen, nicht filtern. Ihnen fällt es auch schwer, wesentliche von unwesentlichen Sachverhalten zu unterscheiden. Oftmals können Betroffene ihren Tag nur schwer strukturieren, sind nicht besonders ordentlich und/oder halten Termine nur sehr schwer ein. Sie neigen dazu, häufig zu spät zu kommen. Andererseits sind sie aber in Teilbereichen überdurchschnittlich leistungsfähig, oft sehr intelligent und kreativ. Es sind oft die so genannten „kreativen Chaoten“, die „Genies, die das Chaos beherrschen“.

Die Ursachen für diese Störung sind noch nicht vollständig erforscht, diskutiert werden aber genetische Anlagen sowie eine fehlende bzw. falsche Reizweiterleitung im Gehirn. Werden die für die Informationsweitergabe nötigen Botenstoffe nur langsam, überhaupt nicht oder nur teilweise weitergeleitet, dann entsteht Durcheinander, welches Betroffene nicht entwirren können. Informationen kommen bruchstückhaft oder überhaupt nicht an. Es ist, als wäre die „Leitung gestört“, wie beim Aufenthalt in einem Handy-Funkloch, wo auch nur ein Teil der Nachricht zu hören und zu verstehen ist.

Aufmerksamkeit trainieren

Für das Training von Aufmerksamkeit bzw. Konzentration gibt es bestimmte Tests. So müssen von den Testpersonen z. B. Formen in eine bestimmte Reihenfolge gebracht werden. Der Testende lässt abwechselnd beispielsweise Kreise, Kästchen und Dreiecke eintragen. Um das Ganze schwieriger zu gestalten, können auch die Farben variieren. Dieser Test eignet sich selbst für Vorschulkinder.

Schwieriger wird es, wenn bei den „Bild mit Fehler-Suchtests“ dann die weggelassenen oder hinzugefügten Details gefunden werden müssen, möglichst noch mit Zeitvorgabe. Ebenfalls kann man mit Puzzles, speziellen PC-Spielen oder dem Finden passender Figuren die Aufmerksamkeit steigern. Es gibt bestimmte auseinander gefaltete Würfel, wo man das deckungsgleiche Gegenstück suchen muss oder aber t-förmige Bilder mit Muster usw. Auch der Magische Würfel eignet sich für das Training der Aufmerksamkeit. Natürlich hilft jede Art von Spielen beim Konzentrationstraining. Alle Tätigkeiten, welche länger als 15 Minuten ausgeführt werden müssen, schulen die Wahrnehmung und fördern das Konzentrationsvermögen.