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2.4 Denken

Das DenkenIm psychologischen Kontext sind die Begriffe Denken und Intelligenz fest verankert, legen sie doch den Grundstein des täglichen Handelns der Menschen.

Dabei wird das Denken prinzipiell so definiert, dass es sich dabei um einen Prozessablauf handelt, der Wahrgenommenes erfasst und verarbeiten und es zu diesem Zweck einer Beurteilung, einem Vergleich und einer Begrifflichkeitsformulierung unterzieht. Darin fließt außerdem das Überlegen und Vorstellen sowie das Erinnern ein, woraus in der Gesamtheit eine Schlussfolgerung resultiert. Denken ist somit ein auf Erkenntnis abzielender Vorgang, der auf einem Zusammenspiel von Begriffen, Erinnerung und Vorstellung basiert. Damit ist der Denkbegriff eindeutig abzugrenzen von der Wahrnehmung wie auch der Intuition, wenngleich beides in den Denkprozess einfließt.

Die Psychologie unterscheidet zwei Arten des Denkens:

  1. Konvergierendes Denken
    Dabei greift der Denkende bewusst auf vorhandenes Wissen zurück. Er verwendet ihm bekannte Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die er im Laufe seines Lebens erlernt hat und die ihm zielgerichtet bei der Lösung der Denkaufgabe helfen.
  2. Divergierendes Denken
    Divergierendes Denken bedeutet, dass die Person vor einer bisher unbekannten Aufgabe steht, bei der ihr auch das vorhandene Wissen im konvergierenden Sinne nicht weiterhelfen kann. Sie muss folglich ihr Wissen kreativ einsetzen, um mittels neuer Kombinationen eine Lösung herbei zu führen.

Psychologische Erklärungsansätze des Denkens

Verschiedene psychologische Fachrichtungen haben sich in der Vergangenheit und Gegenwart mit dem Denkbegriff befasst und entsprechend ihrer Ausrichtung unterschiedliche Definitionsansätze entwickelt.

Kognitive Psychologie
Im Sinne der kognitiven Psychologie ist Denken ein Vorgang, dem ein Zusammenspiel von Symbolverarbeitung und Gedächtnisleistung zugrunde liegt.

Im Problemlösungskontext sieht die kognitive Psychologie die Aufgabe des Denkens darin, die Hürde zwischen Ist-Zustand und wünschenswertem Soll-Zustand zu überwinden und im Zuge dieser Ausgleichsschaffung als Operand zu fungieren.

Außerdem unterscheidet die kognitive Psychologie das Denken in unbewusst, bewusst und vorbewusst, wobei laut dieser Theorie die drei Denkkomponenten gerade beim Problemlösen nahtlos ineinander übergreifen.

Darüber hinaus findet in der kognitiven Psychologie eine Unterscheidung der Denkprozesse in analytisches und analoges Denken statt. Das analytische Denken ist demnach strukturiert und greift auf Erfahrungen zurück. Das analoge Denken ist hingegen spontan und ein intuitiv ablaufender Prozess, der keiner Struktur folgt, sondern auf Assoziationen beruht.

Entwicklungspsychologie
Die Entwicklungspsychologie befasst sich mit dem Denkbegriff vor allem in Bezug auf das Lernverhalten von Kindern und der Frage, ab welchem Alter kausale Zusammenhänge erfassbar sind, was ein gegenständliches Denken erforderlich macht.

Im Sinne der Entwicklungspsychologie ist das Denken ein Vorgang, welcher erworbenes Wissen sowie gemachte Erfahrungen voraussetzt.

Sozialpsychologie
Im sozialpsychologischen Kontext findet der Denkbegriff seine Würdigung als Inkludierung in der nach diesem Psychologieschwerpunkt vorherrschenden Annahme, dass der Mensch als soziales Wesen seine Motivation stets daraus ausrichtet, ein ideales Selbstbild und ein realistisches Weltbild zu entwickeln. Dabei wird er jedoch feststellen, dass seine Ressourcen durchaus begrenzt sind und er aus diesem Grund auf Automatismen und impliziertes Wissen angewiesen ist.

Die Denkkategorien

Die Einteilung des Denkprozesses in verschiedene Kategorien geht auf Siegmund Freud und die Psychoanalyse zurück. Die räumliche Trennung der menschlichen Seele in das Bewusste, das Unbewusste und das Vorbewusste spiegelt sich demzufolge auch im Kontext des Denkbegriffes wider.

  1. Bewusstes Denken
    Für das bewusste Denken sind Inhalte vorauszusetzen, die der Mensch sich nach Belieben ins Bewusstsein rufen kann oder aber auf Abruf im Gedächtnis abspeichert. Es beinhaltet Werte, Normen, Vorstellungen und Erfahrungen und ist untrennbar mit der Wahrnehmung verbunden.
  2. Vorbewusstes Denken
    In das vorbewusste Denken fließen Inhalte ein, die dem Menschen zwar zur Verfügung stehen, die ihm jedoch nicht permanent präsent sind und somit keinen unmittelbaren Abruf ermöglichen. Sie beruhen auf dem Gedächtnis, wobei der Mensch bewusst nach ihnen suchen muss, um sie in den Denkprozess zu involvieren. Meist handelt es sich dabei um Inhalte mit geringer Relevanz.
  3. Unbewusstes Denken
    Unbewusstes Denken greift auf Inhalte zurück, die trotz größter Willenskraft und Anstrengung nicht bewusst für den Denkprozess aktiviert werden können. Nach der Psychoanalyse handelt es sich dabei in der Regel um verdrängte Wahrnehmungen. Sie zu vergegenwärtigen würde eines psychologischen Mediums, beispielsweise psychoanalytischer Techniken, bedürfen. Trotzdem ist das unbewusste Denken elementar am Denkprozess beteiligt und fließt unerkannt in das bewusste Denken ein.

Jenseits dieser Denkkategorien unterscheidet die Wissenschaft außerdem in das automatische und das kontrollierte Denken.

Das automatische Denken ist demnach ein Prozess, der ohne eigenes Zutun und Anstrengung abläuft. Es kommt dem unbewussten Denken der Psychoanalyse am nächsten, da beim automatischen Denken nicht bewusst auf vorhandene Inhalte zugegriffen werden muss.

Das kontrollierte Denken ist hingegen ein bewusster Prozess, der sich mitunter langwierig und kompliziert gestaltet und die explizite Denkentscheidung einer Person voraussetzt. Diese Art des Denkens kann mit dem bewussten Denken verglichen und mit dem, was landläufig als „Nachdenken“ bezeichnet wird, gleichgesetzt werden.