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2.8 Lernen von Problemlösungen

ProblemlösungDie Basis von Problemen stellt die Unzufriedenheit mit einem Ist-Zustand dar. Aus den eigenen Bedürfnissen des Einzelnen heraus wird demgegenüber ein Ziel-Zustand entwickelt. Alle Maßnahmen der Problemlösung zielen nun darauf ab, sämtliche Hemmnisse zu beseitigen, die dem Erreichen des Ziel-Zustands im Wege stehen. Die Gesamtheit dieser Maßnahmen wird als Problemlösungsprozess bezeichnet. Er findet Eingang in die Entscheidungstheorie, die Kognitionswissenschaft sowie die Denkpsychologie.

Laut der Lehren der Psychologie besteht jede Problemlösung aus drei Schritten. Der Startschuss fällt mit einer objektiven Erfassung des Ist-Zustands, der Entwicklung und Durchführung eines Lösungsverfahrens und als krönenden Abschluss dem Erreichen des Wunsch-Zustands.

Dabei vergleichen die Herren Allen Newell und Herbert Simon jeden Menschen als ein komplexes System der Verarbeitung von Informationen, der allerdings nur über eingeschränkte Fähigkeiten verfügt. Die Einschränkungen zeigen sich bereits bei der Analyse von Problemsituationen. Da der Mensch im Normalfall vom Ratio und von Gefühlen gesteuert ist, ist eine komplett objektive Bewertung der Situation in den meisten Fällen nicht möglich. Wie weit die subjektive Beeinflussung geht, hängt immer auch von der Prägung des Grundcharakters des Einzelnen ab.

Das Erlernen von Problemlösungen ist auf verschiedenen Wegen möglich. Einer davon führt über die Heuristik, indem verschiedene Lösungsansätze getestet und dann anhand ihrer Ergebnisse miteinander verglichen werden. Diese Vorgehensweise wird in der Psychologie auch als „Versuch und Irrtum“ bezeichnet. Edward Lee Thorndike führte dazu umfangreiche Versuche mit Ratten durch. Der heuristische Ansatz der Problemlösungen ist nur unter Einbeziehung der Fähigkeiten des Gedächtnisses möglich.

Die zweite Variante des Lernens von Problemlösungen erfolgt über die Einsicht. Die Einsicht ist ein Teil des rationalen Denkens des Menschen, das wiederum eine bewusste Steuerung des Verhaltens möglich macht. Das Lernen durch Einsicht findet in sechs verschiedenen Phasen statt. Die erste Phase ist das auftauchende Problem, das durch den Wunsch nach der Erreichung eines Soll-Zustands gleichzeitig eine Motivation für Veränderungen mit sich bringt.

Die zweite Phase ist vom Testen unterschiedlicher Lösungsansätze gekennzeichnet. Führen diese nicht zum gewünschten Erfolg, werden alle Aktionen gestoppt und die Situation neu bewertet und daraus neue Handlungsansätze entwickelt. Diese Phase wird als Abschnitt der Umstrukturierung bezeichnet. Während dieses Zeitraums finden keine tatsächlichen Aktionen statt, sondern die verschiedenen Lösungsansätze werden in Gedanken „durchgespielt“. Der Abschluss dieser Phase wird durch Einsicht und Lösung gebildet.

Im Volksmund wird dieses Ereignis auch als „Aha-Erlebnis“ bezeichnet, was vor allem dann zutrifft, wenn sich die mögliche Lösung plötzlich ergibt. Die fünfte Phase ist die Anwendung der gefundenen Problemlösung. Ist diese mit Erfolg verbunden, wird sie in den Erfahrungsschatz aufgenommen und auf andere Situationen übertragen, was den letzten Abschnitt des Erlernens von Problemlösungen darstellt. Beschrieben wurde diese Art der Vorgehensweise bei der Suche nach Problemlösungen von Max Wertheimer und Wolfgang Köhler in der kognitiven Lerntheorie.